Donnerstag, 26. September 2013

Brettgeflüster #5 - Die Burgen von Burgund

Artikel von Romconstruct

Worum gehts denn?

Als mächtiger Fürst im 15. Jahrhundert im wunderschönen Burgund ist es an den Spielern ihren Reichtum zu mehren, Arbeiter auf die Felder zu schicken, Schiffe die Flüsse hinauf und hinunter treiben zu lassen und ein blühendes Fürstentum mit schicken Burgen und Dörfern auszubauen.

Damit ist Die Burgen von Burgund vom System her an sich ein klassisches Workerplacement Spiel. Man muss also Arbeiter geschickt platzieren, Rohstoffe sammeln und Gebäude bauen um letztendlich mit den meisten Siegpunkten nach Hause zu gehen.

Was ist drin?


Die Burgen von Burgund - Box

Für gerade einmal 25€ erhält man nicht nur Spielregeln in deutscher, englischer und französischer Sprache, sondern auch eine hübsche Box. Es gibt vor allem viele, viele Papp-Plättchen. Mal sechseckig, mal quadratisch dazu ein paar Kärtchen, Würfel, einen kleinen Spielplan und je Spieler ein Spielertableau. Das Material ist dabei nicht extrem hochwertig, aber dem Preis mehr als angemessen und vor allem sehr reichhaltig. Andere Spiele des Genres können hier schon mal mit hölzernen Spielfiguren oder sogar Tieren und Waren aufwarten, wo Burgund nur auf Marker setzt. Dafür kosten andere Spiele aber auch aber auch gerne mal einiges mehr.

Was sagen die Regeln?


Die Burgen von Burgund - Regeln

Die Regeln sind schön erklärt und bestehen im Wesentlichen darin zu erläutern, was einzelne Symbole bedeuten. Denn an sich ist das Spiel recht einfach, nur muss man als Spieler erst mal verinnerlichen was man für bestimmte Karten und Gebäude im Austausch bekommt. Das führt zunächst mal dazu, dass man in den ersten Spielrunden immer mal wieder in den Regeln blättern muss um beispielsweise zu gucken "was bekomme ich nochmal wenn ich eine Kirche baue? Ah, Mine, Wissen oder Burg!"

Die Erklärungen finden sich auch auf dem Spielertableau, aber nur in Form von Symbolen. Da kann es nicht schaden hier und da nochmal in die Regeln zu gucken. Aber ein ständiges Rumblättern in den Regeln gibt sich schnell und man kann sich ganz der taktischen Planerei widmen.

Wie geht es denn jetzt genau?

Wie erwähnt ist das Spielprinzip an sich relativ simpel gehalten. Man würfelt und die Augenzahl entscheidet auf welche Sechseck-Plättchen (Gebäude, Tiere, Wissen, Rohstoffe etc.) aus zuvor ausgelegten Depots, man Zugriff erhält. Diese Plättchen darf man dann später in seinem Fürstentum platzieren.



Die Burgen von Burgund - Fürstentum


Was nach einem reinen Glücksspiel klingt, ist dabei mitnichten nur an das reine Schicksal der fallenden Würfel gebunden. Denn es gibt Mittel und Wege die geworfene Augenzahl nachträglich zu seinen Gunsten zu verändern. Somit wird der Zufallsfaktor minimiert, aber der Taktikfaktor erhöht. Natürlich kann man ganz den Schicksalsgöttern vertrauen und darauf hoffen, immer die richtigen Zahlen zu würfeln. Aber empfehlenswert ist es dann doch noch Arbeiter in der Hinterhand zu haben um die Würfelergebnisse zu den eigenen Gunsten zu verändern. 

Dann gilt es noch die erspielten Plättchen passend zu platzieren. Es geht also insgesamt darum, geschickt zu sammeln und auszuspielen. Gerade erst erspielte Plättchen darf man nämlich nicht sofort ausspielen, sie wandern erstmal in den persönlichen Vorrat. Waren, die auf Schiffe verladen werden sollen, gilt es hier insbesondere zu sammeln. Was gar nicht so einfach sein kann, wenn die Gegenspieler den Plan vorausahnen und entscheidende Waren absichtlich wegkaufen.


Die Burgen von Burgund - Spielsituation

Auch kommt es darauf an wie man sein Fürstentum ausbaut. So gibt es Boni für die größte Schafweide, die meisten Burgen usw. und nicht alles kann man gleichzeitig angehen. Hier zeigt sich schnell die Komplexität des Spiels, da jeder Zug genau überdacht sein muss. Und natürlich muss man nur all zu oft seinen schönen Plan wieder verwerfen, weil ein Gegenspieler den Plan erkannt hat und strategisch dagegen vorgeht.

Das Spiel endet nach 5 Phasen a 5 Runden, was wiederum 50 Würfelwürfe bedeutet. Eine ganze Menge Holz also. Rechnet man dazu die Zeit, die es bedarf sich seine Taktik zu ergrübeln, kommt man recht schnell über die 30-90min die auf der Packung angegeben sind. Schon in der ersten Partie mit nur zwei Spielern haben wir die 90min locker benötigt. Gut, die Regeln saßen noch nicht so flüssig, aber man sollte für Burgund schon einen längeren Abend einplanen und es nicht als Spiel für zwischendurch betrachten.

Wie ist deine Meinung zum Spiel?

Es gibt sehr viele Spiele dieser Art und meiner Ansicht nach sind davon einige doch zu etwas viel Ruhm gelangt und anderen wird nicht genug Respekt gezollt.

Letzteres trifft auf Die Burgen von Burgund zu. Vielleicht liegt es daran, dass es keine Holzfigürchen gibt, vielleicht ist es auch nur vom falschen Verlag, der nicht genug Werbung gemacht hat. Bei mir rangiert es auf jeden Fall ganz oben auf der Liste der Workerplacement Spiele. Was vor allem daran liegt, dass man hier zwar auch immer mal gehörig geärgert, aber seine Taktik auch stets noch überdenken und dennoch zum Sieg kommen kann. So hatte ich bei Agricola, um mal ein prominentes Gegenbeispiel zu nennen, meistens das Gefühl, dass man nur davongaloppieren, oder untergehen kann. Selten habe ich da eine wirklich spannende Partie erlebt. Es schien meist einfach klar, wer auf der Siegerstraße ist und den Rest musste man dann halt noch runterspielen. Das Gefühl hatte ich bei Burgund nie. Dafür bietet Agricola das schönere Design und etwas wertigere Spielmaterial.



Die Burgen von Burgund - Würfel

Den Burgen von Burgund wird ansonsten gerne vorgeworfen das es gewisse Längen hat, was ich nicht verneinen kann. Man muss seinen Zug schon recht genau überdenken und versuchen vorauszuplanen und zudem auch mal an entscheidenden Punkten gegen Andere spielen. Ein Element, was mir bei anderen Spielen auch nicht unbedingt so untergekommen ist. Meist war da die Strafe zu hoch wenn man seinen eingeschlagenen Weg mal verlassen hat, nur um anderen zu schaden andere zu ärgern.

Doch genau das macht mir auch mal Spaß und ich nehme es gerne in Kauf mal wieder umdenken zu müssen, weil ein Gegner meine Pläne erahnt und sie durchkreuzt hat. Auch macht das Spiel schon mit 2 Spielern sehr viel Spaß, erreicht seinen Höhepunkt mit 3 Leuten, könnte aber mit 4 Leuten, gerade wenn diese zu sehr langem grübeln neigen, doch etwas lang werden. Hier bedarf es dann der entsprechenden Spielerschaft. Wer alle 5 Sekunden einen Zug machen will, ist bei Burgund fehl am Platz und das auch schon bei 2 Spielern. 

Wem es nichts ausmacht, auch mal längere Zeit auf den Zug der Gegenspieler warten zu müssen, der könnte seine helle Freude an Die Burgen von Burgund finden. Mit 3 Leuten eines meiner liebsten Spiele und auch zu zweit eine sehr gute Wahl. Aber man muss eben der Typ dafür sein. Und für eben jene Typen kann ich nur die volle Punktzahl ausschütten.


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